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Donnerstag, 18. Dezember 2014

Online Shopping mal anders


Dieser Tage bekam der Begriff „Online-Shopping“ eine ganz andere Bedeutung für mich:

Ich stand in einem Bekleidungsgeschäft, welches sonst eher von jüngeren Mädchen besucht wird - das mit dem 8. und 13. Buchstaben im Alphabet. Versunken in meine eigenen Gedanken schob ich die reduzierten Pullover von rechts nach links und konnte mich nicht entscheiden.

              Wolle weihnachtlich      Foto: ak 2014

Plötzlich stand ein junger Mann Anfang dreißig hinter mir. Er hielt sein Handy ans Ohr und sprach ziemlich hektisch: 

„So, ich bin jetzt in der Ecke mit den Pullis. Wo soll das sein?“

Die Antwort am anderen Ende der Leitung konnte ich natürlich nicht hören. Ich sah nur das offensichtliche Ergebnis: er kam näher zu mir. 

„Und welchen?“ fragte er in sein Smartphone, das mit dem Apfel, ich konnte es am Weiß erkennen.

Wieder hörte ich nichts, sondern verfolgte seine prompte Handlung: Der blaue Pulli mit dem skandinavischem Muster glitt vom Bügel in seine Hand. 

„Welche Größe braucht sie denn, hier steht XS, passt das?“

Offensichtlich nicht, denn das Wollmuster wanderte zurück auf die Stange.

Er schob nun mich beiseite, „Schuldigung, darf ich mal  kurz?“ und kramte weiter, drehte die Etiketten der blauen Pullis der Reihe nach um.

„Nee, finde ich nicht“. Pause und ein Schritt zurück vom Regal.

„Ja, es gibt die auch noch in rot und in weiß“, gab er Rapport.

„Dann kriegt sie eben einen in rot, ist doch auch schön!“ setzte er fort, jetzt noch deutlich weniger entspannt als zu Beginn seiner Suche.

„Ja. Gibt es. Habe ich. Rot in M.“

„Och nein, also jetzt habe ich doch einen! Warum das jetzt?" Pause. "Hmh", folgte gequält. Pause. "Wo soll das denn sein?“

„Ich sehe hier keine Rolltreppe“ er schaute sich um. „Wo?“

Hilfesuchend hielt er Ausschau, nahm sogar das Phone vom Ohr als ob er diesmal seinem Lotsen am anderen Ende doch nicht bedingungslos vertraute.

Mit einer Drehbewegung hängte er den doch nicht gewählten Roten in M zurück ins Regal und machte sich auf den Weg … wie ferngesteuert.

„Ja, mache ich…“ hörte ich ihn noch sagen, dann verschwand er hinter dem Kleiderständer mit Röcken in Richtung Rolltreppe.

So kann OnlineShopping also auch funktionieren, dachte ich mir: da sitzt jemand zuhause oder sonstwo - vielleicht im Café oder in der Tiefgarage, mobil alles möglich - und steuert einen realen Anderen online wie einen Kaufavatar durchs Geschäft.

Ich hoffe, seine Shoppingliste ist abgearbeitet, bis er sein Smartphone wieder aufladen muss.

Freitag, 12. Dezember 2014

Kostenlos und frei: WLAN für öffentl. Gebäude

Wie wäre es mit freiem WLAN in allen öffentlichen Gebäuden? Auch in Gütersloh? Die Freunde und Eingeloggten von Freifunk Gütersloh sind da ja schon deutlich unterwegs. Gut so. Leider sind sie bisher etwa am Rathaus gescheitert. Da gibt es das nicht. Darf man nicht, heißt es.

Jetzt bekommen die Freifunker und Internetnutzer Verstärkung von besonderer Seite - von der Bundeskanzlerin und der CDU: 

Der HabbelBlog hat es bereits gemeldet: Auf dem gerade vergangenen Parteitag in Köln "hat die CDU durch einen Beschluss die notwendige Rechtsänderung im Telemediengesetz zur Störerhaftung noch einmal bekräftigt, um so kostenloses WLAN in allen öffentlichen Gebäuden, in der Bahn und auf Flughäfen zu ermöglichen. Ebenso sollen zum Beispiel Restaurants, Cafés, Hotels und andere Einrichtungen öffentlich zugängliches WLAN anbieten können, ohne für eventuellen Missbrauch durch die Nutzer haften zu müssen.
Bereits im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD sind diese Forderungen schon enthalten. Es bleibt zu hoffen, dass durch diese Bekräftigung auf dem Bundesparteitag der CDU der Gesetzgeber jetzt auch schnell handelt."


Interessant ist, dass sich auf Twitter genau der Bürgermeister gemeldet hat, der seine eigene Stadt Arnsberg schon sehr vorbildlich fast flächendeckend mit Freifunk ausgerüstet hat: 
Ich habe ihm geantwortet, er solle doch gerne mal sein Rezept für den Erfolg verraten. Vielleicht fragen jetzt auch noch mehr bei ihm nach.

Zudem habe ich bei Detlev Buschkamp von Freifunk Gütersloh, warum WLAN so essentiell ist - hier seine Antwort: 




Freitag, 5. Dezember 2014

4. Treffen OWL - die digitale DNA verbreitet sich

Unser Netzwerk #owldigital bekommt immer mehr Luft unter die Flügel. Es zieht Kreise. Schön, dass auch das Gütersloher Stadtmagazin GT-Info das Thema aufgegriffen hat. Ein schöner Brückenschlag von Online und Print. 


Das 4. Treffen im November (25.11.) in der Weberei Gütersloh und damit im Bürgerkiez war zugleich eine Premiere: Wir hatten zum ersten Mal einen Referenten eingeladen - Willi Kaczorowski. Er hat gerade das Standardwerk in Deutschland herausgegeben "Die smarte Stadt", welches alle Handlungsfelder beleuchtet, die diesen Wandel beinhaltet. Ein Must für alle Kommunalgestalter. Zudem war er gerade auf dem WorldSummit zum Thema "SmartCity" in Barcelona.




Eine komplette Wiedergabe wäre seitenfüllend, hier einige der Highlights, die Impulse auch für uns sind. Mein heutiger Post auch mit dem Einblick gepaart, wie fix heute das gesprochene Wort über Twitter verbreitet wird:

Kaczorowski erklärt, Digitalisierung sollte als Teil der Daseinsvorsorge betrachtet werden und sei damit hoheitliche Aufgabe - und nicht nur das, er sprach auch davon: 

Schon alleine dieser Umstandt würde eigentlich ein „Recht auf Breitband“ mit sich bringen.
Breitband sei die Grundvoraussetzung, dass Städte und auch ländliche Räume künftig überhaupt eine Chance haben, weiter an Wertschöpfungsketten angebunden zu bleiben. Da gibt es noch viele Baustellen. (Ja, kann man da nur kommentieren, gerade in Gütersloh rutscht die Diskussion dazu ab ins Reich der obsoleten Telekom.)

Kaczorowski bekräftigt eindeutig, der Grad der Digitalisierung sei auch entscheidend dafür, welche (innovativen) Branchen sich in den Städten ansiedeln - und künftig noch angezogen werden. Das habe Auswirkungen auf den Standort an sich, also sei Digitalisierung als Standortfaktor zentral. Schon jetzt.

Er nannte u.a. das Beispiel "Gesundheit und Pflege":
„Smart-City-Ansatz“ kann dazu führen, dass zu pflegende Personen länger zu Hause leben können. In der Überlegung sind etwa die Überprüfung von Vitalfunktionen über Ferndiagnose. Nicht unerheblich sei dabei die soziale Anbindung: Skype, Facetime usw. helfen schon heute, die räumlichen Distanzen von Familien zu überbrücken, die nicht selten im ganzen Land verteilt leben. Auch die Versorgung spricht er an und weist auf künftig digitale Möglichkeiten der Bestellung von Lebensmitteln, Kleidern usw. hin. 


Andererseits werden bessere Möglichkeit zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf durch mobilen Arbeitsort ermöglicht; gleichzeitig bedeutet das ein verringertes Verkehrsaufkommen. Auch das ein Aspekt von Mobilität: 

Digitale Auswirkungen

Diese kurzen Anrissen zeigen, welch weitreichende Auswirkungen Digitales auf das Leben vieler Personen hat und die Lebensqualität sehr steigern kann. 


Ein ähnliches Bild ergebe sich auch für die Bildung, für die es durch die Vernetzung von den Bildungseinrichtungen wesentlich bessere Reichweiten gibt, individuelles Lernen ermögliche, auch das lebenslange Lernen fördere. Eine besondere Rolle könnten hier künftig die Bibliotheken einnehmen: sie wandeln sich zu Wissenszentren.


Veränderung ergibt sich schon alleine dadurch, dass sich auch die Arbeitsprozesse ändern, sie werden smart. Oft passiert in den Kommunen dann etwas, wenn der Druck der Wirtschaft vor Ort auf die Kommunen steige, hier aktiv zu werden und eine bessere Versorgung zu erreichen. Unbedingt gilt das auch für den Mittelstand. Der Appetit auf Breitband kommt beim Essen, sagt Kaczorowski und spielt damit elegant auf den stetig steigenden Bedarf an schnellem Internet an. In der Arbeitswelt und in der Welt der Zivilgesellschaft gleichermaßen. 

Eine ganz besondere Rolle komme dabei der Wirtschaftsförderung zu, die künftig viel deutlicher in einer „Orchestrierungsrolle“ wirken müsse, da diese am besten den Mittelstand „mitnehmen“ kann und die wichtigen Player innerhalb einer Kommune an den Tisch bringen kann, um etwas voran zu bringen. 


Eine (von vielen) spannende Frage kam in der Diskussion auf: 


Welche Auswirkungen kann die Digitalisierung auf die Konversionsflächen haben? 
Kaczorowski meint: Zehn Jahre sind in der digitalen Entwicklung nichts. Vor 10 Jahren sprach kaum einer von Amazon. Doch der digitale Wandel ist schnell, viel schneller in seinen Wirkungen als bisherige Veränderungen das waren. Politik aber reagiert in Zyklen - das sei nicht mehr kongruent zu den Bedürfnissen heute. Die Ansprüche wachsen etwa besonders bei denjenigen, die mit Digitalem grossgeworden sind. Es gilt hier klug zu denken - und die Möglichkeiten vorauszunehmen. Ein Beispiel ist sicher Nokia. Ein Beispiel ist die Veränderung in der Autoindustrie mit Trend zum AutonomenAuto. Und ein weiterer Trend zeichnet sich ab: künftig kommt die Wirtschaft wieder in die Cities - es reiche, wenn etwa ein moderner 3-D-Drucker im Zentrum stehe. 
Der Abend war spannend, inhaltlich und auch netzwerktechnisch. Wir machen weiter, Ende Januar 2015 findet das nächste Treffen statt. Ideen liegen schon vor. Wir sammeln weiter.  

Wer sich weiter über #owldigital informieren möchte, kann das tun - auf Facebook und auf Twitter oder auch face-to-face. Der #owldigital ist gesetzt. Alle Interessierten sind eingeladen, mitzumachen oder einfach nur dabei zu sein. 







Dienstag, 2. Dezember 2014

Blick in die Geschichte zeigt Zukunft auf - Breitband

Wir stehen vor einer erneuten Zeitenwende. Auch Gütersloh muss sich entscheiden, welche Weichen die Stadt stellen will: Breitbandversorgung in kommunaler Hand - ja oder nein?! Nicht gleich abwinken bei dem Thema! Denn: hier sei ein kleiner Blick in die Stadtgeschichte erlaubt, der ganz unglaublich Interessantes hervorbringt.


Die Stadt Gütersloh hat eine erstaunliche Geschichte des Aufstiegs von einem Dorf zu einer beachtlichen Stadt mit Industrie von Weltgeltung hinter sich. Vor nun fast genau 100 Jahren standen die Stadtväter vor einer genau so großen Entscheidung, ob sie die Stadt elektrifizieren sollte - oder nicht. Damals war Elektrizität bahnbrechend Neues, nur Wenige waren am "Netz" angeschlossen.

Es lebe der Strom

Ende der 1890er Jahre hatte die Absatzentwicklung an Gas hatte ihren Höhepunkt erlebt. Der Verbrauch war hoch, aber nicht mehr wachstumsfähig, die Elektrizität war im Kommen: die Fabrikbetriebe gingen schon langsam vom Gas zum elektrischen Lich über. Vorreiter waren etwa die Gütersloher Betriebe wie Gebr. Bartels, Güth& Wolf, Gütersloher Weberei etc. und auch Firma Miele. Auch der Bahnhof stieg auf elektrisches Licht um. Erste kleine Netzwerke mit Strom gab es bereits, einige im Stadtgebiet. Die Betriebe hatten allerdings alle für sich selbst gesorgt und sich eigene Versorgungen organisiert. 

Eine erste Begründung für einen möglichen Umstieg auch in der Stadt Gütersloh von Gas auf Elektrizität findet sich in den Verwaltungsunterlagen mit dem Argument, Gas reiche künftig nicht mehr aus. Zudem verblassten mittlerweile die technischen Möglichkeiten der Gasleuchten. Sie wurden zunehmen unbrauchbar und waren für die gestiegenen Anforderungen an sie nicht mehr leistungsfähig genug. Zudem trat die Glühbirne 1911 auf die Weltbühne und setzte Maßstäbe.

Die Realität ist schneller.... 

"Die Gütersloher Stadtverwaltung demonstrierte dennoch Gelassenheit. Eine "tötliche Konkurrenz" für das Gaslicht wurde im Verwaltungsbericht für 1896 bis 1907 ausgeschlossen." Doch 1909, zwei Jahre nach seinem Erscheinen, hatten sich neue Ansichten durchgesetzt. Es wurde eine Elektrizitätskommission eingesetzt. 



Mitglieder der 1909 eingesetzten Elektrizitätskommission waren die Herren Wolf, Niemöller, Schmäling und Flöttmann, sie befassten sich mit einem Angebot der RWE. Diskutiert wurde die Wirtschaftlichkeit und ob sich eine Versorgung bei wenigen Abnehmern überhaupt rentiere. Allerdings blieb die positive Grundstimmung in Richtung E-Werk bestehen. 

Umfrage zeigt Bedarf

1910 machte dann die Stadtverwaltung eine Umfrage im alten Stadtgebiet und fragte in einer Einwohnerbefragung (!) und nicht etwa nur bei Betrieben das "Bedürfnis nach elektrischer Energie" ab. Das Ergebnis war eindeutig: der Bedarf war deutlich erkennbar. Die Stadtverwaltung erarbeitete eine Wirtschaftlichkeitsberechnung für ein städtisches Elektrizitätswerk mit eigener Stromversorgung, da liefen gleichzeitig Angebote von drei Anbietern ein. Verkürzt: die Lieferung kam von außen, doch erlaubte der Vertrag, dass das Elektrizitätswerk an die Gemeinden liefert und diese ihn an die Einwohner verkaufte, in welchem Falle die Gemeinde das Verteilungsnetz innerhalb der Gemeinde selbst bauen und unterhalten muss. 
Um eine aktuelle Planung des Netzes vornehmen zu können, wurde eine zweite Umfrage gemacht. Das Ergebnis zeigte noch deutlicher als die erste Umfrage, wie enorm der Bedarf in der Bevölkerung gestiegen war: die Anzahl der benötigten Lampen hatte sich demnach in nur einem Jahr verdoppelt. 

Geld für richtige Entscheidung 

Im Dezember 1912 verabschiedeten die Stadtverordneten auf Antrag des Magistrat ein solches Projekt des Netzbaus und genehmigten die Anleihe von 300.000 Mark. 
Zugleich wurde eine ElektrizitätswerkKommission eingerichtet, die für die Ausschreibung zuständig sein sollte.

1913 wurde der Auftrag zur Erstellung eines eigenen Leitungsnetzes und der Transformationseinrichtungen erteilt. Die eigentliche Lieferung verzögerte sich zwar, aber Fakt war: der Strom floss durch stadteigene Netze.

In der Versorgung der Außenbezirke wurden zudem acht weitere Bürgerversammlungen durchgeführt. Vier der Ortsteile bekannten sich ebenfalls dazu, Strom abzunehmen, 1914 floss auch hier Strom. Mit den übrigen wurden gesonderte Vereinbarungen getroffen, in Pavenstädt, Gütersloh-Nord bis zur Berliner Straße floss jedoch kein Strom, hier hatte man sich anders entschieden. 

1914 begann der Erste Weltkrieg, die Weltgeschichte setzte andere Prioritäten.

Die Quelle für diesen geschichtlichen Abriss und das verwendete Foto ist die Chronik zum 125-jährigen Bestehen der Stadtwerke Gütersloh "Die Stadtwerke Gütersloh 125 Jahre", die 1987 von Stadtarchivar Günter Beine erstellt wurde.

Fazit: 

Grundsätzlich kann man diese geschichtliche Weichenstellung in Gütersloh als Blaupause für die heutige Entscheidung sehen: wir stehen heute vor genau der gleichen Herausforderung - flächendeckende Breitbandversorgung gehört in kommunale Hand. Dieser Forderung kann man nicht die kalte Schulter zeigen. 

Noch heute profitieren Stadtwerke und Stadt von den Netzen, in anderen Orten werden Netze händeringend zurückgekauft. Netzbesitz ist Macht und Gemeinwohl. Das ist auch bei der Digitalisierung nicht anders. 

















Samstag, 29. November 2014

Breitband - Kämmerin will nicht

Der Haushalt ist in der Stadt Gütersloh eingebracht. Und siehe da: das Thema Breitbandversorgung findet seinen ersten sprachlichen Einzug auch in dieses Gedankenwerk. Bisher war es ja eher unentdeckt - "Kabel" waren von wenig Interesse - leider.



Im letzten Ausschuss für Wirtschaft und Immobilienwesen wurde der Masterplan Breitbandausbau für den Kreis vorgestellt und unser Antrag von "Demokratie wagen" zur Breitbandversorgung diskutiert, wie verbloggt. Mit wenig Engagement ging man daran - denn Gütersloh wurde seitens der Macher des Masterplans leider signalsiert, man könne sich hier recht entspannt zurücklehnen, die Versorgung sei sehr gut. Einige Tage später kam ja auch die "beruhigende" Botschaft: die Telekom macht´s. Das dürfte manche Volksvertreter beruhigen, muss man sich dann doch nicht mit diesem sperrigen Thema befassen. Die Ironie wird sein, dass das Thema um so heftiger zurückkehrt.


Die Kämmerin will nicht

Dass aber auch der Nerv der Kämmerin berührt ist und damit doch wohl auch die Frage der Finanzierung auf dem Tisch liegt, war bisher neu:

Die Kämmerin wird in der führenden heimischen Lokalzeitung zitiert mit der Aussage in der Art: Wer immer noch auf den städtischen Haushalt draufsattle, komme irgendwann nicht mehr um Steuererhöhungen herum. Sie kritisierte, dass ohne lange zu überlegen, die kommunale Verantwortung beschworen werde. "Plötzlich sind wir für die flächendeckende Breitbandversorgung verantwortlich. Auch sollen wir Kaufhausstandorte aufkaufen, damit die Innenstadt ein attraktiver Einzelhandelsstandort bleibt." Solchen Wünschen müsse eine klare Absage erteilt werden.

Zumindest was die Versorgung mit Breitband angeht, so ist das ganz deutlich eine kommunale Aufgabe. Spricht die Kämmerin vorab davon, dass die Gewerbesteuern in Gütersloh um sieben Millionen Euro höher ausfallen und man auch im kommenden Jahr mit höheren Gewerbesteuern rechne, so wird diese sprudelnde Quelle in den nächsten Jahren bedeutend mehr vom Zugang zum schnellen Internet abhängen. Gütersloh wird abgehängt sein, wenn sie das schnelle Netz und einen flächendeckenden Zugang nicht zu ihrer eigenen Sache machen will. Es reicht nicht, sich in der Angelegenheit in die Hände großer Marktführer zu begeben, die bekanntlich ihre technischen Ladenhüter noch schnell an dem Mann bringen, bevor sie bald selbst weg sind vom Fenster. 


Breitband wirkt sich aus

Wenn auch die Argumentation einer "simplen" Initiative kein Gehör geschenkt wird, so sprechen doch die Berechnungen zahlreicher namhafter Studien dafür, wie sehr die Breitbandversorgung sich künftig auf unsere volkswirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die Schaffung von Arbeitsplätzen auswirken wird. Und nicht nur das. Auch die Arbeitsplätze werden sich verändern: wer als Arbeitnehmer künftig kein gutes Netz hat, kann und wird nicht (!) in Gütersloh wohnen und arbeiten. Die gesellschaftliche Teilhabe an sich ist zudem angesprochen - und der Wettbewerb um Zuzug von Familien und kluge Köpfe. Selbst die Vermietung von Wohnungn wird nicht von "Balkon" und "Stadttheaterblick" abhängen, sondern vom Netz.

Selbst der Bundesminister für besondere Angelegenheiten, Peter Altmaier, spricht davon, dass die Breitbandversorgung so bedeutend ist wie seinerzeit die Versorgung mit Wasser und Straßen. Der Mann sollte glaubwürdig sein, er hat´s verstanden.

Auch wird Fakt sein: Die wirtschaftlichen Folgen von Breitband in Bezug auf Externalitäten d. h. positive Effekte bei Beschäftigung und volkswirtschaftlicher Produktion infolge von
verbesserter Produktivität, Innovation und Zerlegung von Wertschöpfungsketten
werden überall in Deutschland erheblich sein. Etwa nur nicht hier? 



Argumente bitte

Es ist kein Argument zu sagen, man müsse weiter brav sparen und die Ausgabenseite im Blick behalten. Da müssen schon Argumente auf den Tisch, warum sich die Stadt da raushalten will. Und das bitte öffentlich. Wir möchten das gerne nachlesen, in Zeiten, wenn andere vom Netz mit Glasfaser und in kommunaler Hand profitieren.  

Und eins noch: Die ersten Daten zum Haushalt sind online auf der Homepage der Stadt zu finden. Gut für den, der schnelles Netz hat, dann kann man die auch schnell lesen. Leider nicht im RIS, Ratsinformationssystem. Waren im letzten Jahr die Reden der Kämmerin und der Bürgermeisterin aber noch ebenfalls online, fehlen sie dieses Jahr. 








Dienstag, 18. November 2014

Mittelalter: IT-Ausstattung in Schulen

In dieser Woche wurde eine Forsa-Studie im Auftrag des VBE (Verband Bildung und Erziehung) veröffentlicht. Kernaussage: Die IT-Ausstattung in Schulen ist mittelalterlich. Das ist in Gütersloh wohl nicht anders. 


Bei der Vorstellung der Ergebnisse ist dies hier sicherlich die zentrale Aussage:

„Die IT-Ausstattung der Schulen ist mittelalterlich“, kritisierte Udo Beckmann. „Wer digitales Lernen in den Schulen ernsthaft installieren will, muss eine zeitgemäße Ausstattung aller Schulen, von der Grundschule bis zu den berufsbildenden Schulen, sichern. Und das ist allein in Verantwortung der Dienstherren und Schulträger zu realisieren.“ 

Das sehe ich genau so. Es gibt viele gute Kollegen, die das Thema längst in der Schule etablieren könnten - nur ohne Ausstattung geht es nicht. Und wir sprechen hier nicht von ein paar PCs, die in der Nische im Büro verstauben. Es geht um Klassensätze an Tablets. Die Grafik zeigt: Tablet-Computer sind in den Schulen Fehlanzeige. 


Forsa
Foto: Forsa






Ein Ergebnis stimmt versöhnlich: 72 Prozent der Befragten gab an, dass die Schule über einen schnellen Zugang zum Internet verfügt. Was aber, wenn der nicht genutzt wird, weil die Bits und Byptes ins "Nichts" fließen?

Wenn jetzt die alljährlichen Haushaltsberatungen anstehen, auch der Fachbereich Bildung seinen Haushalt aufstellt, könnte man darüber nachdenken, eine einmalige Aufstockung der Mittel für die Schulen festzulegen. Und zwar zweckgebunden mit dem Ziel der Verbesserung der IT-Ausstattung in den Schulen.

Einen zweiten Antrag wäre auch dies wert: Wie sieht das eigentlich in Gütersloh aus? Kommunizieren die Verantwortlichen in Schulen und Schulverwaltung eigentlich über geschützte dienstliche E-Mails? Nur 57 Prozent der Befragten sagten hier ja in der Forsa-Umfrage. Gerade hier geht es um wirklich sensible Daten. Meine Erfahrung ist die, dass sich hier bisher keiner darum gekümmert hat. Also: Nachhaken!

Hier scheiden sich die Geister

In der Thematik der Nutzung von digitalen Endgeräten scheiden sich derzeit noch die Geister. Es gibt Befürworter, es gibt Gegner. Eines ist aber klar: bei jeder Bewerbung werden heute die Jugendlichen auf ihre Fähigkeiten am Rechner getestet! Neue Berufe enstehen, die überhaupt erst durch die Digitalisierung erzeugt wurden. Die Betriebe werden Zug um Zug "smart", d.h. sie nutzen intelligente Technik. Die Unternehmen suchen Beschäftigte mit diesen Kompetenzen. Von digitaler Teilhabe will ich hier zudem mal schweigen.

Besonders skuril wird es übrigens hier: sowohl Schüler als auch Lehrer generieren ihr Wissen und Können in der Nutzung von Smartphones, Tablets und Rechnern privat. Neun von zehn befragten Lehrer geben das zumindest so an. Und bei den Schülern kenne ich das aus eigener Erfahrung: Das, was mein Sohn am Rechner alles kann hat er nicht in der Schule gelernt. 

Also: Zwei Anträge in der Politik ergäbe diese Forsa-Umfrage auf jeden Fall. Die Erkenntnisse sind da. Das wäre mal ein Anfang. 









Dienstag, 11. November 2014

Wie geht´s weiter? Offene Kommune NRW auch 2015

Das Barcamp "Offene Kommunen NRW" @oknrw etabliert sich zu einem festen Termin im netzpolitischen Kalender - zumindestens der Aktiven in NRW. Auf dass es mehr werden - jetzt gehen die Impulse verstärkt in die Fläche, ist das Ziel nach dem 4. Treffen am 8. November in Wuppertal.



Die Abschlussrunde zum Barcamp "Offene Kommunen NRW" war sich einig: es wird auch ein 5. Treffen, geben. Dieter Hofmann moderiert die Schluss-Statements:


                             

Ziele für 2015

Welche Ziele stehen bis zum nächsten Jahr auf der Agenda? Die Antworten waren vielfältig: 
  • nicht nur die Fehler auflisten, sondern auch die guten Beispiele in den Vordergrund stellen, die belegen, wie es praktisch geht. "Einfach machen!" brachte es Elmar Burke (@elmarburke) auf den Punkt.
Weitere Forderungen ( in der Auflistung ohne inhaltl. Wertung): 
  • flächendeckend alle Daten zu kommunalen Finanzen auf den Tisch, 
  • Einrichtung von Zukunftswerkstätten, besonders zu "Energie", 
  • Vernetzung und Nutzung von Schwarmintelligenz, 
  • mehr Kooperationen statt Konfrontation,
  • Ansprechpartner adressieren, weniger Technik - mehr Verständlichkeit und daher bürgernahe Sprache, 
  • künftig doppelt so viel Stadtvertreter beim nächsten Barcamp.
Mein Punkt war - wie zur Zeit immer: 
  • Einrichtung von kommunalen Zukunftsausschüssen. Die Kommunen können Ausschüsse einrichten, wenn sie das für sinnvoll erachten. Ein Zukunftsausschuss wäre so ein freiwilliger Ausschuss. Aber hier wäre das Konzept der "Kooperation mit der Zivilgesellschaft" zentraler Punkt: die Ratsleute öffnen den Ausschuss für den verstetigten aber auch fließenden Dialog mit verschiedenen Experten und Bürgergruppen, die gemeinsam unterschiedliche Themen vorantreiben, die die Zukunft einer Kommune berühren, sonst aber wenig Platz in den Regelausschüssen bekommen wie etwa: Digitalisierung, Open Data, Open Government, Breitbandversorgung, Kooperation, Energiewende.

Ziele 2014 und 2015 verknüpfen

Die Ziele für 2015 fallen auf den ersten Blick "magerer" aus als noch die Ziele, die für 2014 formuliert wurden. Allerdings sind sich die Teilnehmer sehr bewusst, dass eben diese Ziele auch schon 2013 weit gefasst waren - und Zeit zur Umsetzung brauchen. Daher hier nochmal die Liste der Vorschläge 2014, die immer noch Gültigkeit haben. 

Wie könnte das Motto für das nächste Treffen heißen, fragte schließlich Organisator Dieter Hofmann - und antwortete sich selbst: "Offene Daten - geht doch!" Ein Fokus auf die Praxis - guter Ansatz, denn nichts zieht so, wie gute Beispiele. 


Übrigens

Schön wäre die Rückkehr 2015 in den Veranstaltungsort VHS Wuppertal-Elberfeld: Tolles Haus, tolles Konzept, sich neuen Formaten zu öffnen! Und das als kommunale Einrichtung. Wie passend für "open".