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Samstag, 24. Januar 2015

Formblatt für Unterstützerunterschriften - auch online möglich

260 Unterschriften benötige ich - dann bin ich "vollwertige Kandiatin" für das Amt der Bürgermeisterin in Gütersloh. In Gütersloh tritt zum ersten Mal in der Stadtgeschichte eine Kandidatin ohne Parteibuch an. So mussten Verwaltung und ich erstmal lernen, welche juristischen Feinheiten dabei zu beachten sind, so dass die Kandidatur auch rechtlich rund ist.



Jetzt liegt grünes Licht für die Formblätter für meine Unterstützerunterschriften vor. Es ist sogar erlaubt, die als Download ins Internet zu stellen. Digitaler Fortschritt.

Jetzt kann das Sammeln losgehen. Die Formblätter zur Unterstützung finden sich hier. Zudem blogge ich auf "Mehr für Gütersloh", wenn es um meine Kandidatur geht.

Längere und fachbezogene Blogposts finden sich aber auch weiterhin hier auf Blickpunkt aus Gütersloh.


Samstag, 17. Januar 2015

Fake und Realität: im Kleinen wie im Großen

Was in der großen Welt möglich ist, geht auch in einer Stadt von rund 100.000 Einwohnern: Pressefotos sind so montiert, dass sie die Wahrheit nicht wiedergeben, sondern eine andere Situation darstellen als die Realität sie hervorgebracht hat. 

Das ist der ARD in Paris mit dem Schweigemarsch zu Charlie Hebdo passiert, wo die Bilder derart zusammengeschnitten wurden, dass es so aussah, als ständen die Regierungschef an der Spitze der Trauer- und Schweigemarsch-Bewegung, obwohl sie allein in einer geschützten Seitenstraße marschierten. 
Und in Gütersloh lässt sich ein Sparkassendirektor nachträglich in ein Bild montieren, das eine Spendenübergabe zeigt, an der er aber aus Zeitgründen nicht hat teilnehmen können. Die NW hat diesen Umstand jetzt öffentlich gemacht, weil auch sie nicht über die Fotomontage informiert war. Auf der Homepage der Sparkasse ist der Bericht kurz nach Veröffentlichung in der NW gelöscht worden.



Diese Realitätskosmetik nicht nur bedenklich, sondern muss Protest und eine breite Diskussion nach sie ziehen.

Was erleben wir da? 

1.
Beide Vorfälle ereignen sich im "öffentlichen Raum": ein öffentlich-rechtlicher Sender schnippelt an der Wirklichkeit herum und der erste Chefredakteur Dr. Kai Gniffke regt sich darüber auf, dass man ihm diese Manipulation dann auch noch öffentlich vorwirft. Für mich ein Zeichen dafür, dass Macher in ihrer kleinen Welt einfach hemdsärmelig machen. Gleiches bei der Sparkasse, die ein öffentlich-rechtliches Kreditinstitut ist und einer kommunalen Kontrolle unterliegt. Nach der letzten schweren Finanzkrise 2008 in Deutschland haben gerade diese öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute enorm vom Vertrauensbruch der Banken profitiert. Mit solch einer Aktion wie dem Fake von Fotos verspielt man diesen Vertrauensvorschuss, ein erheblicher Nebeneffekt. Beide Institutionen leben vom Vertrauen. Wenn das schwindet, ist die Geschäftsgrundlage entzogen.

2.
Eine elitäre Klasse nimmt an der Lebensrealität der Menschen, der Vielen, offensichtlich gar nicht mehr teil. Sie lässt sich aber durch die Möglichkeiten der neuen Medien in diese Lebenswirklichkeit der Normalos einfach hineinkopieren. Das ist PR-mäßiges Storytelling und vermittelt "ich bin einer von euch". Was aber längst nicht mehr stimmt. Wenn das Schule macht, ist nichts mehr wahr.

Sagen, wie es ist

Es wäre völlig in Ordnung, wenn man erklärt hätte: die Regierungschefs der Welt konnte man nicht ungeschützt durch die Straßen von Paris ziehen lassen. Daher zeigen die öffentlichen Bilder einen Zusammenschnitt. Jeder Zuschauer hätte das verstanden und für gut geheißen. Auch, dass ein Sparkassendirektor nicht immer Zeit findet, hätte jeder nachvollziehen können. Das ist erklärbar und das Publikum freut sich, wenn der Mann seinen Job so ernst nimmt.

Nach außen hin soll aber das Bild des ubiquitären Kümmerers gezeigt werden. Was, wenn die Hemmschwelle "merkt doch keiner" sich ausweitetet, auf andere Bereiche übertragen wird?


Nicht so stehen lassen 

Wir müssen reden! Zudem sind es gerade auch diese Entscheider und Einflussnehmer, die gerne das Internet und seinen demokratischen Einfluss verteufeln und das Netz an die Kette legen wollen. Ich bin froh, dass es das Internet gibt und einmal um die Welt die Möglichkeiten gibt, zu zeigen, was Fake ist. Ja, es gibt auch andere Beispiele, durchaus. Doch das Netz hilft Demokratie zu vitalisieren, diese Chancen werden ja offensichtlich genutzt.

Die Herausforderung besteht: treten wir ein in einen Diskurs, der Fake und Realtitäsverschiebung öffentlich beleuchtet. Bevor sich Spinner und Rechte in Dresden und anderswo diese Diskussion zu eigen machen und in ihrem undemokratischen Sinne auslegen. Dann ist Schluss mit Meinungsfreiheit und Wahrheit im Sinne von Demokratie. 



Mittwoch, 14. Januar 2015

Kandidatur und neues Format

Seit gestern ist es klar, dass ich für das Amt der Bürgermeisterin in Gütersloh kandidieren werde.
Hier ist der Link zur Pressemitteilung von "Demokratie wagen", die mich vorgeschlagen haben.

mein Ziel

Trotzdem brauche ich ab jetzt 260 Unterstützerunterschriften, um antreten zu können. Das ist im Landeswahlgesetz NRW für unabhängige Kandidaten ohne Parteibindung so vorgeschrieben. Gut so.

Nun habe ich mich entschlossen, für die Zeit der Kandidatur einen eigenen Blog aufzusetzen, der inhaltlich auf die neue Herausforderung reagieren kann - und der auf Gütersloh direkt zugeschnitten ist: Mehr für Gütersloh - Lokale Politik bürgernah!

Dennoch bleibe ich als Bloggerin auch auf Blickpunkt aus Gütersloh aktiv. Hier werde ich immer wieder längere Posts verfassen, immer dann, wenn mich neue Themen fesseln und ich Neues in Sachen Digitalisierung erfahre, an spannenden Veranstaltungen teilgenommen habe oder ein Thema länger zu beleuchten ist.




Samstag, 10. Januar 2015

Je suis Charlie


Unfassbar. Und doch stellen die Terroranschläge in Paris unsere westliche Gesellschaft vor die Zerreisprobe: Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Zusammenhalt in der Gesellschaft, Religionsfreiheit, Toleranz, Vielfalt, Einwanderungspolitik, Vorratsdatenspeicherung, Datenschutz. Das werden künftig unsere zentralen Themen sein. Schon jetzt nutzen rechtsgerichtete Gruppierungen diesen Ausnahmezustand für ihre Hetzkampagnen, für ihre kranken Bestrebungen, unsere Gesellschaft homogen zu machen, zu spalten, Hass zu säen. Es wird ihnen nicht gelingen. Dafür treten alle ein, die wir unser Leben in einer freien und toleranten Gesellschaft weiterleben wollen. 

Unser Protest für ein friedliches Miteinander gehört auf die Straße!





Siehe dazu auch meinen Blogpost auf Wegweiser-Kommune.de. mit dem Aspekt der kommunalen Möglichkeiten. 

Kandidatur für Bürgermeisteramt - in Überlegung

Ob die Buschtrommeln stimmen - das fragte mich am Dienstag der Journalist Rainer Holzkamp von der NW-Gütersloh: ja, sie stimmen. Ich überlege, als Kandidatin für das Amt der Bürgermeisterin in Gütersloh anzutreten. Daher hat die NW-Gütersloh einen ersten Bericht veröffentlicht. Die weiteren Medien in Gütersloh, wie Glocke, Westfalen-Blatt und Radio Gütersloh haben nachgezogen.

                                                 Neue Takte für Gütersloh ?                            Foto: ak 2014

Dennoch fälle ich meine letzte Entscheidung am kommenden Dienstag: dann trifft sich die Initiaitive, bis dahin habe ich mit meiner Familie beraten -  dann erst wird es amtlich.

Doch bei allen Vorschlägen und Überlegungen gilt grundsätzlich: Für eine Kandidatur benötige ich 260 Unterstützerunterschriften, denn die sind gesetzlich vorgeschrieben für einen Kandidaten, der sich ohne Parteibindung aufstellen lässt. Dies findet sich u.a. auch im Amtsblatt der Stadt Gütersloh - zum Nachlesen. Also schon hier hat die Bevölkerung in Gütersloh die Entscheidung, unabhängig von einem Parteiapparat.

Erste Reaktionen auf meine Überlegungen sind sehr positiv - was mich selbst überrascht. Im Fokus steht: ich sei ein kritischer Geist, ein Querdenker. Bisher sind das Eigenschaften, die eher anecken als dass sie begeistern. Meine Haltung behalte ich bei. 

Eine Stellungnahme der beiden Kontrahenten findet sich zudem auch in der NW-Gütersloh.





Donnerstag, 1. Januar 2015

Auf ein Neues

Ein gutes neues Jahr 2015 wünsche ich allen.
Das Jahr wartet schon, dass wir Platz nehmen....




Donnerstag, 25. Dezember 2014

Oh Tannenbaum - als Partizipationsprojekt der Kirche oder wie acht Meter Frieden bringen

Auf vielfachen Wunsch hier nochmal meine Weihnachtsgeschichte von 2010 - ein Klassiker mittlerweile: 





Es begab sich aber zu der Zeit, als die Natur noch grün war. Die Bäume auf unserer Wiese sind zu groß für ein Wohnzimmer. Acht Meter. Schon im Sommer hegen wir die Idee, einen der herrlichen Tannenbäume der Kirche zu Weihnachten anzubieten. Eine der Prachttannen würde sich im Altarraum sicher gut machen. Alle Jahre wieder. Es sollte nicht irgendeine Kirche sein, sondern die Lukasgemeinde. Dort tauchen wir immer mal wieder gerne im sonntäglichen Gottesdienst auf, weil der junge Pastor mit den engelsgleichen Haaren so politisch ist.

Als der November seine letzten Tage fristet, rufen wir besagten Geistlichen an. Herr Pastor könne sich eine Tanne zu Weihnachten für seine Kirche aussuchen. Acht Meter, der Baum. Die Antwort des Gottesmannes am anderen Ende der Leitung ist ein klares Ja... Aber. Sein „aber“ setzt eine echte Weihnachtsbaumgeschichte in Gang. Generell nehmen wir die Tanne gerne, so der Gemeindehirte. Nun sei es so, dass ja die Kirche sparen müsse. Daher wüssten wir sicher, dass die Gemeinden zusammengelegt wären. Mit dem Ergebnis, dass es nun zwei Pastöre gäbe. Dieses Jahr sei „der Andere“ dran, mit Weihnachten und der Begrünung. Und die Gemeinde Lukas habe auch einen eigenen Tannenbaumbeauftragten. Der müsse befragt werden. Und selbstverständlich eingebunden. Der für das Jahresendgrün Auserwählte würde sich melden, versprach der Doppelspitzenpfarrer. Mit Erstaunen auf eine derart organisierte himmlische Schar gestoßen zu sein, legt mein Mann auf. Weiteres wollten wir abwarten. Der Baum stand ja noch im Saft. Du grünst nicht nur zur Sommerzeit, nein auch im Winter, wenn es schneit.

Tage später klingelt das Telefon. Wieder nimmt mein Mann den Hörer ab und ist mit einem Herrn verbunden, der sich als Tannenbaumbeauftragter der Gemeinde Lukas vorstellt und erst in einem zweiten Atemzug seinen Namen nennt, den J. aber gleich wieder vergisst. Tannenbaum ist unser Stichwort, wie oft hat nicht zur Weihnachtszeit ein Baum von dir mich hoch erfreut. Mein Gatte sieht sich schon mit Säge und Axt in Aktion. Doch vor jeden Schweiß hat der Herrgott die Gemeindedemokratie geschaltet. Herr Tannenbaumbeauftragter-der-Gemeinde-Lukas verkündet, er müsse sich den zum Geschenk vorgeschlagenen Baum zunächst einmal anschauen. Aber nicht allein. Sie kämen zu dritt, spricht er weiter und erklärt, wen er da mitzubringen gedenke. Vom Himmel hoch, da komm ich her. Das Wort Küsterin bleibt hängen, diese kennt sicher die geschätzte Höhe des Kirchenschiffes und das Maß des Baumes. Und Kaiser Augustus befahl, dass alle Welt sich schätzen ließe. Wir schmunzeln über die Zahl drei: Drei Weise aus dem Morgenlande. Das passte doch zu Weihnachten. Wir verabreden uns für den folgenden Tag. Um drei. Auf dem Hof. Die Bäume warten, bald ist Weihnachtsabend da.

Die Uhr schlägt dreimal. Unser Sohn sieht den weißen Wagen der Weisen auf den Hof fahren. Freundlicherweise nimmt er die Kirchenleute in Empfang und zeigt ihnen schon mal den Weg auf die Wiese. Diese Minuten nutze ich, um meine Gummistiefel anzuziehen und meine Arbeitsjacke. So bin ich eine passable Vertretung für meinen Holzfäller-Gatten, der noch nicht zurück ist. Wir treffen am Holzgatter aufeinander: die drei Tannenbaum-Experten-der-Lukas-Gemeinde, zwei Damen und ein Herr – letzterer wohl  hauptamtlicher Tannenbaumbeauftragter – und ich. Wir schütteln uns die Hände. Die drei Reisenden aus dem Matthäusland sind durchdrungen von der Bedeutung ihrer Entsendung. Durch der Engel Halleluja tönt es laut von fern und nah.

Wir steigen über das Gatter, macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Meine Stiefel leisten ihren Dienst. Die drei Weisen sacken mit ihren Halbschuhen tief ins nasse Grün. Die ältere Dame im aparten Arrangement in rosa übernimmt und eröffnet die Konversation. Ich bring Euch gute, neue Mär. Was für ein schöner Fleck Erde, spricht sie und kommt gleich zur Sache. Mein Pastor betont sie das Possesivpronomen, hat mich beauftragt, nicht nur einen Baum auszusuchen. Er bittet auch um das Restgrün für die Krippe, lässt sie mich wissen. Da liegt es das Kindlein auf Heu und auf Stroh. Sie sei ja Presbyterin der Gemeinde. Freue Dich, oh Christenheit. Was die Pastöre heute alles so wollten, führt sie weiter aus. Jeder hätte so seine  eigene Vorstellung. Christ ist erschienen, uns zu versühnen. Aha, antworte ich.

Die Dame Ohne-Rosa stolpert über die jungen Setzlinge, die sich im Gras versteckt haben und erst noch wachsen müssen. Alle sechs Augen der drei Weisen sind auf die großen Prachttannen am Ende der Umzäunung gerichtet. Auf diese zeige ich mit einer Handbewegung wie ein Bergführer auf eine Gipfelkette. Stattlich stehen sie da in Reihe und Glied: Blautannen, Nordmanntannen, Waldtannen. Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum wie grün sind deine Blätter. Dicht drängen sich die Äste und  eifern mit ihrem Grün um die Wetter als diese erste echte Begegnung zwischen Kirche und Baum stattfindet.Gnadenbringende Weihnachtszeit.

Vier Meter Fünfzig ist das Maß für den Christbaum. Vier Meter fünfzig von der Spitze bis zum Fuß. Das sind drei Meter fünfzig weniger als die Tanne in echt groß ist. Man kann sie höher abschneiden, beruhige ich die Rechnerei der drei Experten. Die Aufmerksamkeit auf diese echten Tannen währt nur einen Augenblick. Frau Rosa hat die weiche Omorika-Fichte entdeckt. Die Zarte. Sie steht ein wenig abseits vor den anderen Tannengehölzen. Auch sie ist  acht Meter. Die soll es sein, verkündet der rosa Engel der Lukasgemeinde. Wir übrigen drehen uns um. Erstaunt. Für einen Augenblick bin ich unsicher, ob mein Mann auch diesen Baum zum Schlagen freigegeben hat. Oh du fröhliche. Die drei umwandern die serbische Fichte, streicheln ihre weichen Tannenwedel. Kein Zweifel. Tanne, die Entscheidung ist da, heißa, dann ist Weihnachtstag. Vier Meter fünfzig. Das müsste passen, erklärt die Dame in Nicht-Rosa. Die Frauen sind sich einig. Der mitgebrachte Tannenbaumbeauftragte kann sich dem Diktum der Damen nicht widersetzen. Vier Meter fünfzig bestätigt auch er. Partizipation in der Kirche ist weiblich.

Auf dem Weg zurück plaudert Frau-Presbyterin-neben-dem-Pastor mit mir über Weihnachten. Und zählt ihre geplanten Kirchgänge in Reihenfolge der Feiertage auf. Neben ihr wirke ich wie ein lauer Christ, mit meinem Status des Selten-Gängers. Am Ende werde ich gefragt, was denn der Baum kosten soll. Nix, lautet die Antwort. In den Herzen ist´s warm, still schweigt Kummer und Harm, Sorge des Lebens verhallt. 

Den Baum in seiner ganzen Pracht abholen soll derweil ein anderes Gemeindemitglied. Dieser Mensch ist wiederum eigens für den Transport des Christbaums zuständig. Der Tannenbaumtransportbeauftragte. Und der dieses Jahr zuständige Doppelspitzenpastor auch. Wann das sein wird, solle telefonisch geklärt werden. Einmal werden wir noch wach.

Die Tage vergehen, wir versuchen Pastor Weihnachtsgrün zu erreichen. Pastor Weihnachtsgrün versucht es umgekehrt. Unsere elektronischen Anrufbeantworter lernen sich dadurch etwas besser kennen. Beide hinterlassen dem jeweils Anderen ihre Nachricht nebst der Versicherung, es später nochmals zu versuchen. Bei Anruf Nummer drei klappt es: Kirche trifft Spender. Am Samstag früh um zehn wollen sich Pastor und der zuständige Transportbeauftragte an nun schon bekannter Wiese einfinden. 

An besagtem Tag liegt eine dicke Schneedecke über der gefrorenen Wiese. Leise rieselt der Schnee, still und starr ruht der See. Beim Morgengrauen stapfe ich mit meinem Mann über die Winterpracht und zeige ihm nochmals die serbische Omorika. Ein rotes Flatterband ist schon angebracht, damit nicht der falsche Baum in die Kirche gelangt. Die Säge röhrt und mit drei gekonnten Schnitten gleitet die Fichte zur Seite. Hilflos liegt sie im Schnee. Mit so viel Liebe und Frieden ist sie aufgewachsen. Möge sie gleiches in die Welt tragen, denken wir uns. Bald wird das Prachtgewächs geschmückt den Altarraum zieren. Wir warten auf die Kirchenleute. Der Transportbeauftragte trifft ein. Nein, er ist nicht mit einem Schlitten und Rentieren gekommen. Er hat einen winzig anmutenden Anhänger an seinem Auto mitgebracht. Auf diesem soll die Vierfünfziger-Fichte ins Lukasland gefahren werden. Beim Anblick der Omorika ist der gute Mann verwirrt. Die Tanne sei drei Meter lang, so hieß es, darum der kurze Hänger. Chor der Engel erwacht. Man könne den Baum kürzen. Nein, nein. Wir versuchen es mal. Flink fällt dann doch ein ganzer Meter Holz in den Schnee. Die Fichte auf ein neues Maß gebracht.  ...der Retter ist da. Nun sind es nicht vier Meter fünfzig, die gebraucht werden, sondern vier Meter fünfzig, die wegfallen. Wahre Größe steckt im Kern.

Der Anhänger mit himmlischem Auftrag ist von einer festen Plane umhüllt. Mit Stangen stabilisiert. Die Omorika-Schöne geht hier nie und nimmer rein, mein Mann - sagt nichts. Der Pastor Weihnachtsgrün fehlt. Partizipation ohne Obrigkeit. Die beiden Gegenwärtigen beginnen den Transport allein. Erste Hürde ist der Weidezaun. Drei Meter fünfzig Festholz mit Nadeln und Schnee sind eine Herausforderung für jeden Weihnachtsmann. Ächzend zieht und schiebt das Duo den Christbaum in spe bis kurz vors Ziel. Hört nur, wie lieblich es schallt. Dann erscheint der Pastor. Im Sonntagsstaat, mit passablen Gartenhandschuhen. Ein Seil fehlt, die ausladenden Ästen wären gebunden hilfreicher. Mein Mann hilft. Leider mag die grüne Serbin wahrlich nicht ganz in den Hänger passen. Die nun drei Männer schieben und pressen, dabei verschwinden die zwei Lukas-Weihnachtsbaum-Beauftragten-Gemeindemitglieder mit ihren Halbschuhen im Schnee. Wie eine Erleuchtung fällt dem Transportbeauftragten der Gemeinde ein, das Gestänge nebst Plane abzuschrauben... Erleichterung hält Einzug. Zentimeter für Zentimeter naht der Weihnachtsbaumspender dem Ziel, seine Spende den waltenden Händen der Kirche übergeben zu haben. O beugt wie die Hirten anbetend die Knie, erhebet die Händlein und danket wie sie. Schließlich ist der Lichterbaum gut verstaut. Auch an das Krippengrün ist gedacht. Macht mir auf das Stübchen.

Nun aber umkreisen tausende kleiner grüner Omorika-Äste den Hänger. Abgebrochen vom jungfräulichen Lukas-Christbaum liegen sie im dicken Winterweiß. Besorgt malt sich mein Angetrauter aus, wie zerrupft die Gute in der Gemeinde ankommen mag und hofft auf ein Wunder. Ist auch mir zur Seite still und unerkannt. Schließlich fehlt es an einer roten Fahne, die das Ende der Omorika im kirchendienstlichen Hänger signalisieren sollte. Immerhin ragt die Spitze nun doch gut einen Meter und etwas über die Reeling hinaus. Auch dieses Utensil können wir stellen. Am Ende muss der Geistliche hinter dem Christbaumtransport das Geleit geben und bei möglichen Pannen das Schlimmste mit Hilfe der himmlischen Mächte verhindern. Bleibt nur noch, den Hängeraufsatz später wieder einzuladen, der bis dahin einsam und wie eine Weihnachtskugel rot leuchtend in der Hofzufahrt verweilt und auf den Rückhol-Beauftragten der Kirche wartet. Partizipation bedeutet Hiob mit verteilten Rollen.

Wir verabschieden uns vom Trio - zwei Männer mit Baum. Wir bleiben derweil mit dem Hängergestänge und den schlimmsten Befürchtungen zurück: Nach einem Auffahrunfall mit Blechschaden bei Glatteis in der Kirche angekommen, passt der Baum nicht durch die Tür. Er wird gekürzt, weil er nicht um die Ecke geht. Nun misst die Fichte nur noch zwei Meter fünfzig. Zwei Köpfe größer als der Pastor. Nadeln und Ästchen säumen den Weg. ...wie grün sind deine Blätter. Beim Einstielen in den Weihnachtsbaumständer kippt der Baum, die Spitze kracht auf den Altar, ist unwiederruflich abgeknickt. Von den einstmals acht bleiben noch zwei Meter. Pastor und Baum nähern sich in der Höhe an. Ramponiert sieht das Bäumchen bemitleidenswert aus. Der Verlust macht ihn fast durchsichtig. Der Stamm rückt in den Blickpunkt. Da können auch die  bunten Kugeln und der Stern als Krone nichts mehr ändern. Die einst schönste Fichte passt nun in die Ecke - vor dem Engel des Erbarmens – fehlt nur, dass ein Zweig beim Entzünden der Kerzen noch Feuer fängt und schließlich kaum ein Stummel von einem halben Meter Restgehölz auf einem Hocker steht, damit die Gemeinde das Bäumchen überhaupt sehen kann ...da uns schlägt die rettende Stund.

Aber nein. So endet die Geschichte nicht. Mit Mühe zwar landet die Fichte zunächst im Eingangsbereich der Gemeinde. Es ist nicht schlimm, dass der Chor nun nicht mehr in die Kirche rüberwechseln kann, weil die schöne Grüne mitten im Weg liegt und weder links noch rechts ein Vorbeikommen möglich macht. Gerne nimmt man beim Anblick der weichen Äste einen Umweg in Kauf. Nach dem Gottesdienst wird sie geschmückt. Hierfür sind eigens Christbaumdekorationsbeauftragte ernannt: einer für die Kugeln, eine für die Kerzen; die Restgemeinde fürs Lametta. Wie weich sind die Zweige! Die vormals schlicht-grüne Fichte erstrahlt in wahrem Glanz. Stille Nacht, heilige Nacht.
Am Heiligen Abend erscheint die Gemeinde, eine Schnittmenge von Beauftragten mit Weihnachstspezialeinsätzen und dem Rest der Gläubigen, erfürchtig zum Kirchgang. Pastor Weihnachtsgrün steht im Talar am Altar – gerade rechtzeitig zurück von einem Dankbesuch bei uns auf dem Hof: Nun kann die Gemeinde getrost sich zum Baume wenden. Ihr Kinderlein kommet. Was für ein Leuchten, was für eine Freude. Weihnachten ist da. Die Spitze der ehemals Acht-Meter-Omorika lenkt den Blick der Christenschar in den hohen, leeren Raum des Kirchenschiffes. Ein Ort, sonst verlassen und unbeachtet, wo sich nur die Klänge der Orgel sammeln und die Gebete sich bündeln. Die Fichte hat ihn trotz fehlender Höhe erreicht mit ihrer Liebe und ihrem Frieden. Ehre sei Gott in der Höh´. Himmlische Heere jauchzen Gott Ehre: Freue, freue dich, o Christenheit!